17.06.2010

Alles heil und nichts geklaut ...

Die geladenen Gäste trudelten teils recht gemütlich ein, während die Deelenpedder „Leckerbissen“ wie Ländler und Tarantella auf der Kreuzung boten. Mit von der Party im ‚Oberdorf’ natürlich auch ‚Gäste’ aus dem Unterdorf, die mit Pferd und Wagen angereist waren

Die geladenen Gäste trudelten teils recht gemütlich ein, während die Deelenpedder „Leckerbissen“ wie Ländler und Tarantella auf der Kreuzung boten. Mit von der Party im ‚Oberdorf’ natürlich auch ‚Gäste’ aus dem Unterdorf, die mit Pferd und Wagen angereist waren

Nahrendorf. „Dafür zahle ich gern!“ Nach ein paar aufmunternden Tänzen der Deelenpedder und der Tanzspatzen (unter der Leitung von Stefanie Schatz und Stina Möller) hatte der erste ‚Betroffene’ mutig zum Mikrofon gegriffen. Zunächst habe er von der Dorferneuerung nur hohe Sandhaufen und tiefe Gräben gesehen, erinnerte er sich, und fürchtete schon, da könne etwas ins Rutschen kommen. „So richtig gefragt worden, sind wir Anwohner ja nicht, aber manche von uns haben durchaus profitiert“, bezog er sich auf Förderung auch privater Baumaßnahmen. “Was ich bei der Dacherneuerung gespart habe, zahle ich zwar nun als Anliegerbeitrag für die Straße, aber die ist auch richtig schön geworden“. Ausdrücklich bedankte sich der Bürger beim Nahrendorfer Gemeinderat für seine Entscheidungen.

Der Nahrendorfer Posaunenchor hatte am Samstag um 15 Uhr die ersten Gäste zum Straßenfest begrüßt, das gewissermaßen den Schlusspunkt hinter die Dorferneuerungsmaßnahmen setzte, auch wenn das eine oder andere ‚i-Tüpfelchen’ noch fehlt. ‚Petrus’ schien unsicher, ob denn die aufgebotenen Erfrischungen reichen würden, doch die Feuerwehr, einmal mehr zuständig für Löscharbeiten, war mit ihrem Getränkepavillon natürlich gut ausgerüstet. Die Versorgung mit Kaffee und Kuchen im Zelt lag in den bewährten Händen der Schützendamen und die evangelische Jugend steuerte duftend-warme Waffeln bei. Deftiges auf dem Grill brutzelten die ‚Könige der Holzkohle’ vom SV Göhrde. Und für die jüngeren Gäste waren Torwand und Kübelspritze vorbereitet.

Nicht alle Eingeladenen konnten kommen oder pünktlich sein, so hatte sich die SG-Verwaltung entschuldigt, auch das Planungsbüro fehlte. Der Samtgemeindebürgermeister Joachim Dassinger kam etwas später, weil er noch bei den Dahlenburger Wacholderbären verpflichtet war. Sein Stellvertreter Ullrich Rambusch schaute vorbei und auch manches SG-Ratsmitglied. Bürgermeisterkollege Eckhardt Korn aus Tosterglope war gekommen und fast vollzählig erschien der Nahrendorfer Gemeinderat. Natürlich war der Vorsitzende des Arbeitskreises Dorferneuerung, Friedrich Meyer, vor Ort, die GLL und die Niedersächsische Landgesellschaft ließen es sich nicht nehmen, Vertreter zu entsenden, und die Baufirma MUT hatte eine starke Delegation von „Hauptakteuren des vergangenen Jahres“, so Bürgermeister Uwe Meyer in seiner Begrüßung, geschickt.

 

Disziplinierte Nahrendorfer

Meyer warf einen Blick zurück in die Geschichte der Nahrendorfer Dorferneuerung, die Ende der 90er Jahre mit der Idee des Ausbaus der ‚Alten Schmiede’ zum Feuerwehrgeräte- und Dorfgemeinschaftshaus begann, unter Federführung seines Amtsvorgängers Klaus-Dieter Maltzan und Horst Fobian. Weil das nicht ohne das Anzapfen von Förderquellen zu finanzieren war, habe man sich mit den Orten Nahrendorf, Pommoissel, Kovahl, Neestahl und Tangsehl erfolgreich um die Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm beworben, 2001 habe man positiven Bescheid bekommen. Theoretisch hätten ab dem 1.1.2003 bis zu 700.000 Euro fließen können, praktisch würden es am Ende wohl 644.000 Euro sein. Damit habe Nahrendorf seine Förderrahmen weitestgehend ausgeschöpft, so Ines Harms von der GLL, die ihre Kollegen Lütke und Henschel vertrat. „Das ist lange nicht bei allen Dorferneuerungen so“, wusste sie, wertete das als großen Erfolg der Maßnahmen in Nahrendorf und verlieh ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Entwicklung des Dorfes mit seinen Ortsteilen auch außerhalb des Förderprogramms weiter vorangebracht werde.

Meyer erinnerte an Turbulenzen mit Terminschwierigkeiten, veränderten Zuständigkeiten und den Umzug der Bewilligungsbehörde. „Einige Mitstreiter meinten schon, die Gemeinde Nahrendorf würde die zugesagten Fördermittel nicht abrufen.“ Der Förderzeitraum wurde jedoch verlängert. „Nicht gerade ein Herzenswunsch aller“, räumte der Bürgermeister ein, sei die Sanierung der drei Straßen gewesen, doch es habe gute Gründe für sie gegeben. Meyer erinnerte an die marode Kanalisation im Untergrund und die Notwendigkeit, sich an das Abwassersystems der Samtgemeinde anzuschließen.

6.000 Quadratmeter Fahrbahn, 3.800 Meter Borde und 3.500 Meter Gehweg – alles in qualitativ hochwertiger Bauausführung, lobte NLG-Ingenieur von der Ohe und dankte den Anwohnern für ihre Geduld. Ihnen galt auch der Dank des Bürgermeisters sowie allen Beteiligten und insbesondere den Mitarbeitern der Firma MUT, die wann immer möglich in zwei Schichten arbeiteten. Und trotz der langen, nicht immer einfachen Bauzeit, hob Meyer ein „Novum“ hervor, „wurde an den Baufahrzeugen und dem Baumaterial weder etwas beschädigt noch entwendet, ganz zum Erstaunen der Firma MUT!“.

 

Feiner Findling

Übrigens, der Auslöser für den ganzen Trubel, die ‚Alte Schmiede’, sei am Ende gar nicht aus dem Dorferneuerungsplan gefördert worden, sondern mit Hilfe der Samtgemeinde, sehr viel Eigenleistung von Feuerwehr und Schützenverein und 83.044 Euro aus dem ETLR-Topf gespeist, so Meyer. So blieb Spielraum für die Friedhoferweiterung, Gehwege und Anbau der Kapelle (rd. 74.000 Euro) und die Dacherneuerung der ‚Alten Schule’ in Nahrendorf (rd. 60.000 Euro). In den 300.000 Euro Fördermitteln für die drei neuen Nahrendorfer Straßen - sie sollen nach Stellung des Auszahlungsantrages fließen - sind sogar noch Mittel für ein Buswartehäuschen in Kovahl enthalten. An private ‚Investoren’ sind beispielsweise für Dacherneurungen oder Feldsteinmauern rund 200.000 Euro ausgezahlt oder bewilligt worden.

An die Zeit der Dorferneuerung 2001 bis 2010 (und an die abknickende Vorfahrt) erinnert ein ruhiger, vornehmer Findling an der Kreuzung Tangsehler Weg / Nüdlitzer Straße. –EP-Redaktion/sn-

 

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue