08.07.2010

Jeder ist eine Insel...

Zwergarum/Tosterglope. Eine knappe Woche nach dem Wolkenbruch sind die Spuren der sintflutartigen Regenfälle noch immer nicht beseitigt. Tangsehl hatte ‚Land unter’ gemeldet, auch in Dübbekold ging mancher Urlauber ‚baden’ und in Tosterglope vermisst man gar eine ganze Großstadt! Zwergarum ist in den Fischteichen versunken, nur noch wenige Dächer ragen über die Wasseroberfläche - Inseln genauso spannender wie entspannter Betriebsamkeit.

In Zeiten der Fußball-WM gibt es keine Ausrede: Alle Kicker Zwergarums konnten sich vor dem Ertrinken retten. Ihre Trainer haben es sich auf einer der neuen Inseln gemütlich gemacht. Mit einigen Ersatzspielern, die sie eher widerwillig mitgenommen haben, verfolgen sie nun aus sicherer Entfernung unter kühlenden Knetpalmen das Treiben auf der grünen Plattform. Dort stehen zwei Tore am Abgrund, zwei Bälle sind noch im Spiel - so geht es schneller. Tatsächlich steht es auch schon 5:2 - ist die Entscheidung bereits gefallen?

Der Hahn auf der noch trockenen Kirchturmspitze bewacht gewissenhaft die goldene Glocke und eine weniger fußballbegeisterte aber dennoch bunte Gruppe hat sich zur ‚Meeresfrüchte-Platte’ im neu eröffneten Spezialitätenrestaurant auf dem Dach des Nachbarhochhauses getroffen. Bevor man sich mit so weltlichen Problemen beschäftigt, wie denn nach dem Dessert das Fortkommen zu organisieren sei, werden die vor dem Hochwasser geretteten Torten und Früchte genossen. Etwas abseits haben zwei Windräder der Firma Kunstraum Tosterglope das Hochwasserdrama überstanden, vorläufig jedenfalls, und kämmen mit ihren wunderbar farbigen Flügeln den Himmel als wäre nichts geschehen - braucht hier denn noch jemand Energie?

Mit diesem Szenario, das sicher auch ganz anders verstanden werden kann, hat eine muntere Schar von Kindern im Kunstraum Tosterglope die Sommerferien eingeläutet und unter dem Thema ‚Zeichen und Signale - für Augen und Ohren’ gemeinsam mit den DozentInnen Stefanie Schmoeckel, Jutta Brüning, Mia Maas und Johannes Kimstedt experimentiert. In ihrer Ferienwoche auf der baUsTeLLe haben sie herausgefunden, mit welchen Materialien man wie umgehen kann, und wie viel mindestens notwendig ist, um sich über ein unvorstellbares Ereignis zu verständigen. Wie schnell sich die Erde dreht, wo sind die Inseln, wenn Wasser im Überfluss vorhanden ist - beim Abschlussfest am 2. Juli präsentierten sie die fantastischen Ergebnisse ihres ‚Kreativ-Urlaubs’ sozusagen in einem ‚Public-Art-Viewing’ im Kunstraum Tosterglope. -jk/sn-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue