28.01.2010

Keine Hunde in Hohnstorf

Warum eigentlich auf die ausgebildeten Schnüffler verzichten, solange man damit rechnen kann, Vermisste, die zu Fuß unterwegs sind, lebend zu finden? Auch innerhalb von Gebäuden werden die Spürnasen schnell fündig

Warum eigentlich auf die ausgebildeten Schnüffler verzichten, solange man damit rechnen kann, Vermisste, die zu Fuß unterwegs sind, lebend zu finden? Auch innerhalb von Gebäuden werden die Spürnasen schnell fündig

Hohnstorf. Menschen, möglicherweise hilflos, die irgendwo in unübersichtlichem Gelände verloren gehen – ist das nicht der klassische Fall, in dem man Personenspür- und Rettungshunde anfordert? Im Prinzip schon, aber ... Mit einem Großaufgebot suchten Polizei und Feuerwehr seit den späten Abendstunden des 24.01. nach einer 69-jährigen Frau aus Hohnstorf. Sie hatte vermutlich gegen 23 Uhr das Wohnhaus in unbekannte Richtung verlassen. Angehörige hatten bereits erfolglos nach ihr Ausschau gehalten, so die Feuerwehr. Gegen 1.15 Uhr alarmierte der Ehemann die Polizei in Lüneburg.

Will man bei zweistelligen Minusgraden eine möglicherweise nicht adäquat bekleidete Person noch lebend finden, sollte man sich beeilen, insbesondere, wenn man dann Schlimmeres noch nicht definitiv ausschließen kann.

Es ist in solchen Fällen üblich, dass die Polizei, vor Ort eingetroffen, dort die Lage sondiert und sich gegebenenfalls mit dem zuständigen Gemeindebrandmeister bespricht, erklärt Kai Richter, Polizei Lüneburg. Nachdem man sich einen Überblick verschafft hatte und sicher war, dass sich die Dame nicht mehr in Haus und oder Garten aufhielt, heulten eine gute Stunde später um 2.30 Uhr die Sirenen und Meldeempfänger der Feuerwehren in Hohnstorf/Elbe, Hittbergen, Barförde, Artlenburg, Brietlingen und Lüdershausen. Zur Unterstützung mit der Wärmebildkamera wurde auch die Feuerwehr Adendorf angefordert. Außerdem wurde ein Rettungswagen zur Einsatzstelle beordert.

 

Nicht auf den Hund gekommen?

„Wir wurden nicht alarmiert“, bestätigt Ulrich Mosbach, Leiter der DRK-Staffel Lüneburg, auch die acht vierbeinigen Spürnasen der ehrenamtlichen SAR Marienau wurden nicht um Mithilfe gebeten - zwei anerkannte Rettungshundestaffeln im Landkreis Lüneburg. Darüber hinaus wäre Hohnstorf für die Staffeln aus Lauenburg, Schwarzenbeck, Harburg und sogar Hamburg – auch darunter gibt es ehrenamtliche – erreichbar gewesen. Innerhalb von 30 Minuten nach einer Alarmierung hätte vierbeiniges Fachpersonal vor Ort sein können, schätzen Hundeführer. Dort hätte eine feine Hundenase innerhalb weniger Minuten zunächst ausschließen können, dass sich die vermisste Person noch irgendwo im Gebäude befindet. Menschen brauchen dafür sehr viel länger. Gebäude und die unmittelbare Umgebung werden in Vermisstenfällen oft mehrfach, erst von Angehörigen, dann von der Polizei, zeitaufwändig abgesucht - Zeit, die man bei den derzeitigen Temperaturen eigentlich nicht hat.

 

Ein paar Schuhe nach zwei Stunden ...

„Wenn der Verdacht besteht, dass eine vermisste Person zu Fuß unterwegs ist, macht es immer Sinn, Hunde einzusetzen“, bestätigt Detlef Kabelmacher, 2.Vizepräsident des Bundesverbandes Rettungshunde e.V. (BRH). „Natürlich gibt es keine Erfolgsgarantie, aber die Chance, jemanden zu finden, ist hoch“, so der Vertreter der größten Rettungshundeorganisation der Republik. Ein ausgebildeter, trainierter Hund kann geprüft mindestens 20.000 Quadratmeter Gelände innerhalb von 20 Minuten absuchen. So hätte man mit sehr hoher Sicherheit und Effektivität Aufenthaltsbereiche zumindest ausschließen können.

„Das weiß ich nicht“, antwortet Mirko Dannenfeld, Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle Lüneburg (FEL), auf die Frage, warum eigentlich keine Hunde angefordert wurden, um die vermisste Hohnstorferin zu suchen, „das entscheidet die Einsatzleitung und die liegt bei der Polizei“, erklärt er, „wir unterstützen nur. Aber die Polizei weiß selbst auch, dass es die Rettungshundestaffeln gibt.“

Mehr als 120 Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr suchten bei eisiger Kälte vom Parkplatz an der Bundesstraße bis zur Grenze nach Barförde entlang der Elbe Straßen ab, durchkämmten Vorgärten, Wege und Ufer, stürzten auf spiegelglatten Straßen, aber verletzten sich glücklicherweise nicht.

Zwei Stunden nach Benachrichtigung der Polizei wurden in Höhe des Hohnstorfer Fähranlegers am unbefestigten Elbufer ganz in der Nähe des Wohnhauses gegen 3.15 Uhr auf der Eisfläche korrekt abgestellte Hausschuhe gefunden. Eine Überprüfung der Polizei bei den Angehörigen ergab, dass es sich um die Schuhe der vermissten Seniorin handelte. Ob wohl ein gleich hinzugezogener ‚Kollege mit kalter Schnauze’ die Schuhe schneller gefunden hätte?

 

Sehr ernst genommen

Die intensive Suche entlang des Ufers mit der Wärmebildkamera vom Boden aus, ein Einsatz des Polizeihubschraubers war in der Nacht aufgrund der Witterung nicht möglich, ergab keine neuen Hinweise oder Spuren. Ein Boot konnte man bei dem Eisgang auf der Elbe nicht zu Wasser lassen. Feuerwehr-Einsatzleiter Arne Westphal forderte sogar die Lüneburger Feuerwehrtaucher an, vor Ort wurde jedoch entschieden, diesen aufgrund des Eisganges für die Taucher lebensgefährlichen Einsatz abzubrechen.

Wegen der eisigen Temperaturen (10 Grad minus) und der mittlerweile langen Abwesenheit der Frau entschieden Polizei und Feuerwehreinsatzleitung die Suche einzustellen. Gegen 5.00 Uhr morgens konnten die letzten Feuerwehrleute nach Hause entlassen werden.

Über 300 Vermisstenfälle bearbeite die Polizei Lüneburg im Jahr, erklärt ihr Pressesprecher Kai Richter, die meisten Menschen würden glücklicherweise sehr schnell wieder gefunden. Diesen Fall in Hohnstorf habe die Polizei von vornherein sehr Ernst genommen und gleich ein großes Aufgebot an Einsatzkräften zusammengezogen. Polizeihunde waren nicht im Einsatz, man habe sich gerade bei diesen Temperaturen viel vom Einsatz der Wärmebildkamera versprochen, so Richter. Vor Ort koordinieren Polizei und Feuerwehr gemeinsam die Arbeiten und das klappt in Lüneburg sehr gut.

 

Was hätten Hunde genutzt?

Die Polizeihunde jedenfalls seien in dieser Nacht nicht wohl greifbar gewesen. Möglicherweise hätten Hunde bei dieser Kälte ja auch Probleme, sorgt man sich in Polizeikreisen.

Im Fall der verschwundenen Hohnstorferin hätten wohl auch Hunde nicht mehr helfen können, mag man im Nachhinein erleichtert aufatmen. Nur genau das kann man ja vorher nicht wissen - zu dem Zeitpunkt, zu dem die Entscheidungen getroffen werden müssen. Am Montagmorgen um 1.15 Uhr, dem ‚offiziellen Einsatzbeginn’, hätte man damit rechnen müssen, dass die Vermisste noch lebt. Ausgebildete Hunde vor Ort hätten recht schnell ausschließen können, dass sie sich im Wohngebäude aufhält, man hätte früher per Hundestaffel die Umgebung absuchen können, wäre wohl sehr bald auf die Schuhe gestoßen, wenn sie dann schon am Ufer gestanden hätten, und hätte mit großer Sicherheit ausschließen können, dass sich die Frau zu dem Zeitpunkt noch lebend an Land befunden hat.

Vielleicht sollte man die Taktik in solchen Fällen einmal überdenken: Gleich das adäquate Mittel einzusetzen, kann schneller, effektiver und auch schonender für die Einsatzkräfte sein - warum nicht gleich zur ersten Sondierung vor Ort wenigstens einen Spürhund zur Hilfe holen? -EP-Redaktion/pol/ff/sn-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue