Plastik-Smoking wurde ‚schlosshoffähig’
Bleckede. Man kann es schieben, wie man will, das Bleckeder Musikfestival ist wettermäßig immer eine Zitterpartie für die Veranstalter. So war es auch wieder am letzten Freitag zum Auftakt des 3. Elbschloss Festivals - Mittsommer in Bleckede, bei dem zumindest die Temperaturen mittsommerlich waren. Aber schon während des Empfangs zur Eröffnung im Schlosssaal gingen immer wieder die ängstlichen Blicke nach draußen auf den Schlosshof, über dem sich bedrohliche Wolken zusammenzogen und heftige Windböen am Zaun vor dem künftigen Biberzentrum rüttelten, und dann gingen auch schon die ersten Schauer herunter. Aber die Besucher kamen und deckten sich vorsorglich mit weißen Regenpellerinen ein, die es gratis an der Kasse gab und - auch das ist Normalität in Bleckede - mit einer Wolldecke vom Arbeiter-Samariter-Bund, der wie in jedem Jahr für die Festivalbesucher sorgte.
Bürgermeister Jens Böther begrüßte beim Empfang viele prominente Gäste, darunter den stellvertretenden Lüneburger Landrat Klaus Olshoff, Lydia Grün vom Nieders. Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Anne Benjes vom „Musikland Niedersachsen“, und als Vertreter der Hochschulen, Prof. Peter Holtslag von der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, die den Festival-Auftakt gestaltete.
„Wir haben es geschafft das Elbschloss Festival als festen Bestandteil in der niedersächsischen Musiklandschaft zu verankern, wir gehören zu den Top-Adressen“, lobte Böther und dankte allen, die dazu beigetragen haben, den Organisatoren, insbesondere Axel Schlemann vom Elbschloss, dem Kultur- und Heimatkreis als Mitveranstalter, den Mitarbeitern des Bauhofs, den künstlerischen Leitern Nicoletta Kindermann und Florian Fiechtner, den Sponsoren und natürlich den beteiligten Hochschulen. Der Vorsitzende des Kultur- und Heimatkreis Bleckede, Matthias Heckeroth, warnte davor, in Zeiten knapper Kassen ausgerechnet an der Kultur zu sparen. „Kultur sollte Tabu sein bei den Sparrunden“, so Heckeroth, „und auch die ländliche Bevölkerung braucht Kultur.“ Nicoletta Kindermann bedankte sich insbesondere beim „Musikland Niedersachsen“ für die ausgezeichnete Unterstützung und stellte noch einmal gemeinsam mit Florian Fiechtner zusammengefasst das Programm vor, das bis zum 20. Juni sieben Konzerte bietet, fünf davon gestalten die norddeutschen Musikhochschulen Hamburg, Bremen, Lübeck, Hannover und Rostock. -EP-Redakktion/swr-
Tapferes Publikum bei holländischen Meistern
Bleckede. Die „Camerata Trajectina“ aus dem niederländischen Utrecht eröffnete zusammen mit Studierenden des Studios für Alte Musik der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Leitung Prof. Peter Holtslag, den sehr windigen und zeitweise auch feuchten Auftakt des Elbschloss Festivals. Die weltweit auftretenden Spezialisten für alte niederländische Musik brachten mit historischen Instrumenten das Goldene Zeitalter zum Klingen, das für die fast 150 Besucher am ersten Festival-Abend außerdem visuell auf einer Großleinwand erlebbar wurde. Hier wurden Gemälde der niederländischen Maler wie Rembrandt, Johannes Vermeer, Jan Steen und Frans Hals, auf denen das Leben in jener Epoche lebendig wird, eingeblendet. Darauf sind immer wieder musizierende Bauern mit Dudelsack und Geigen und Bürger mit Zitter, Laute und Flöte zu sehen. Das Ensemble hatte zwar keinen Dudelsack, wohl aber alle sonst üblichen Instrumente dabei: Saskia Coolen und Yu-Ching Chao, László Rózsa und Prof. Peter Holtslag, Blockflöten, Erik Beijer Viola da gamba und Louis Peter Grijp, Laute und Cister. Es sangen Hieke Meppelink, Sopran und Nico van der Meel, Tenor. „Jan Steen war unser lustigster Maler“, sagte der Leiter der „Camerata Trajectina“ Louis Peter Grijp, der den Abend sehr humorvoll moderierte. Das dazu eingeblendete Bild aus dem Jahr 1673-75 bildet eine „Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse“ ab. Darauf ist ein alter Mann zu sehen, der vermutlich ein Trinklied anstimmt, das auch im Schlosshof von dem gesamten Ensemble mit viel Spielfreude zu Gehör gebracht wurde. Auch das Trinklied über den Peeckel-haringh (dt.: Pökelhering) gefiel dem Publikum. „In fünf Strophen wird ein ganzes Fass leergetrunken“, schmunzelte der Moderator. Eigentlich war das Stück ja auf Monsieur Peeckelharing gemünzt, der zu jener Zeit ein berühmter Mann, aber auch ein Zecher war, der häufig in Liedern besungen wurde. Rembrandt interessierte sich sehr für das Theater, malte auch eine Serie von Bildern über „Gijsbrecht van Aemstel“ (1638) das berühmteste niederländische Theaterstück, das Joost van den Vondel zur Eröffnung des Amsterdamer Theaters schrieb. Auch hierzu präsentierten die Künstler zwei Lieder. „Gibt es eine treuere Frau als Badeloch?“ (die Ehefrau von Gijsbrecht van Aemstel). Ein weiteres Beispiel für die Sinnenfreude des Zeitalters: Rembrandt malte ein Porträt des Dichters und Komponisten Jan Harmensz Krul, von dem das Ensemble zwei lustige Lieder vortrug. Das eine handelte von einer gewissen Laura, die an einem Bach saß und als sie einschlief einen erotischen Traum hatte, beim Erwachen war sie glücklich noch Jungfrau zu sein...
Am Schluss des Konzertes gab es eine Kostprobe aus dem volkstümlichen Liederbuch „Het vermaaklyk Buitenleven, Haarlem 1716“ (dt.: Das lustige Bauernleben) mit Gemälden von Adriaen von Ostade. Die Volksieder handeln von den abgebildeten Personen. Daraus gab das Ensemble zum Abschluss ein besonders lustiges Lied zum Besten. Die eingeblendeten Porträts eines Ehepaars, zeigen zwei sehr friedliche Menschen. „Doch der Schein trügt“, erklärte der Moderator. Das Paar beginnt einen heftigen Streit, der darin mündet, dass der Mann seiner Frau den Tod wünscht. Sehr schön, wie die beiden Sänger auch schauspielerisch das Stück wiedergeben. Langer Applaus für diesen wunderbaren Abend, und trotz erneut aufziehender Regenwolken ließ das Publikum die Künstler nicht gehen. Gerne gab sie eine Zugabe.

