15.06.2010

Schwarz nach Hamburg

HVV hochmodern: Rauchfreier Bahnhof und fahrkartenfreie Zone

HVV hochmodern: Rauchfreier Bahnhof und fahrkartenfreie Zone

Nahrendorf. Zugegeben, es ist ein ‚Randproblem’ für den HVV, auch geografisch gesehen. Für Betroffene kann es allerdings höchst unangenehm werden: Man kann einfach keine Fahrkarte lösen, keine Seltenheit, für sporadische Nutzer der Wendlandbahn, die vom ‚Bahnhof’ Göhrde bis Lüneburg zum HVV gehört. Bei den ‚Bahnhöfen’ handelt es sich meist um Haltestellen, befestigte Gleisanlagen in recht freiem Gelände mit erhöhtem Einstieg, großem Namensschild, meist einem kleinen Wartehäuschen und dem wirklich wahren Zeugnis moderner Zivilisation: dem Hinweisschild ‚Rauchfreier Bahnhof’! Was ihnen jedoch gänzlich abgeht sind Möglichkeiten, Fahrkarten zu erstehen - weit und breit gibt es keine ‚Agentur’ nicht einmal ein Automat steht auf dem Nichtraucherbahnhof. Deswegen kann man grundsätzlich bei den ‚Piloten’ der Wendlandbahn sein Fahrticket, nur ausnahmsweise natürlich, lösen auch über Lüneburg hinaus, nach Hamburg beispielsweise, in die ‚Mutter des HVV’. Das funktioniert aber nicht immer, manchmal „sind die Fahrkarten aus“ manchmal auch das Wechselgeld. „Bitte in Lüneburg nachlösen“, verweist er dann auf eine Möglichkeit wenigstens für diejenigen, die bis in die Salzstadt fahren, ehrlich zu bleiben.

 

Zum Schwarzfahren genötigt

Wer weiter möchte, Richtung Hamburg, muss sportliche Qualitäten beweisen und braucht eine Menge Glück: Er hat nicht einmal 10 Minuten Zeit, vom Nichtraucher-Westbahnhof zum großen Lüneburger Ostbahnhof zu sprinten, sich in eine der Schlangen vor den durchaus vorhandenen Fahrkartenautomaten einzureihen, wie all die tapferen Recken vor ihm den ‚Kampf mit der modernen Technik’ aufzunehmen und zu gewinnen, um dann zum Bahnsteig zu hechten und vielleicht noch den Metronom in die große Hansestadt zu erwischen.

Früher, als alles besser war, gab es für diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind oder jene, die einfach abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze in der Warteschlange vor dem Fahrkartenautomaten landeten noch eine letzte Möglichkeit, den Fahrpreis zu entrichten: Das Ticket einfach im Zug lösen. Statt dem Kunden wenigstens diesen Rest von Service zu gönnen, wird der verzweifelte Fahrgast bedroht: Sie sind eigentlich ein Schwarzfahrer! - Schade, wieder ein Umsteiger weniger, der Herr bleibt definitiv seinem Auto treu!

 

Neues Verkaufsmenü

Trotzdem, der HVV zeigt Problembewusstsein und verkündet neue Automatensoftware für „noch einfacheren HVV-Fahrkartenkauf“ jetzt auch an DB-Stationen an. Die HVV-Fahrgäste finden seit gestern (13. Juni) auch an den Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn die gleiche Benutzerführung vor, die es vor allem neuen Kunden leichter gemacht, die richtige Fahrkarte zu finden. Einfach Zielhaltestelle eingeben, Tarifkenntnisse oder Aushänge für die Ermittlung des Fahrpreises sind mit dem neuen Automatenmenü nicht mehr notwendig und es können nun am Automaten alle rund 9.000 Haltestellen im HVV gewählt werden.

Für Fahrgäste, die öfter mit dem HVV fahren und die richtige Fahrkarte kennen, ändert sich nichts. Infoblätter, die in den HVV-Servicestellen erhältlich sind, weisen auf die neuen Funktionen der Automaten hin. - Toll, das wird die Schlangen vor den Fahrkartenautomaten in Lüneburg dahinschmelzen lassen, und vielleicht öffnet sich so für den erwähnten Autofahrer einmal ein Zeitfenster, in dem er alles haben kann: sein Ticket und den Anschluss nach Hamburg. -EP-Redaktion/sn-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue