08.06.2010

Segensreiche Sirene

Nieperfitz. Es war ein Zufall, dass der Nachbar in Nieperfitz in dieser Nacht von Mittwoch auf Donnerstag so lange wach geblieben war. 2.00 Uhr morgens war schon durch, als er dieses verdächtige Knistern hörte und erst zum rückwärtigen, dann zum Fenster zur Straßenseite herausschaute. Aus dem Dach des Hauses gegenüber schlugen helle Flammen. Geistesgegenwärtig weckte er seine Familie, die alarmierte die Feuerwehr und gemeinsam versuchte man per Telefon, Klingeln und Klopfen die über 10 Bewohner des brennenden Hauses zu wecken, darunter auch Kinder. Mit Erfolg - inzwischen hatte auch der Hund angeschlagen. Nur einer kam etwas verspätet: „Ich hatte zwar Unruhe an der Tür und das Telefon gehört, aber mich im Halbschlaf über diesen nächtlichen Anrufer geärgert“, gesteht er, „erst als ich die Sirene hörte, war ich richtig wach! Da roch ich auch schon den Qualm, rettete gerade noch einen ‚Kuschelhasen’ und flüchtete auf die Straße, wo bereits alle anderen Bewohner unversehrt warteten.“

Der halbe Dachstuhl des etwa 10 x 15 Meter langen Winkelbaus stand in hellen Flammen als die Wehren des 2. Zuges der Samtgemeindefeuerwehr Dahlenburg aus Nahrendorf, Pommoissel, Kovahl und Tosterglope sowie die Feuerwehr Dahlenburg in Nieperfitz eintrafen. Der ältere straßenseitige Gebäudeteil ist mit insgesamt vier Wohnungen ausgebaut worden, noch leerstehend, unter dem Dach war ein Saal ausgebaut worden. Zur Isolierung war dabei Hanf verwendet worden, das sich ausgesprochen nachhaltig den Löschversuchen widersetzte.

 

RTW aus Dannenberg

Zunächst waren ein Wasserwerfer und ein B-Rohr sowie ein Trupp unter schwerem Atemschutz eingesetzt. Das Feuer war laut ersten Erkenntnissen der Polizei im ersten Stock im Bereich des Daches hinter einer Art Vorbau ausgebrochen. Zwischenzeitlich hatten die Flammen die Möglichkeit sich unter den Dachziegeln bis unter den First auszubreiten. Als klar wurde, dass die eingesetzten Atemschutzgeräteträger nicht ausreichen würden, ließ Einsatzleiter und Samtgemeindebrandmeister Ottmar Möller nachalarmieren. Um die heißen Dachziegel abnehmen und das Feuer von oben bekämpfen zu können, wurde die Drehleiter aus Bleckede, sowie der 3. Zug mit den Feuerwehren Boitze, Seedorf, Gienau, Lemgrabe/Dumstorf und die IUK (Informations- und Kommunikationsgruppe) nachalarmiert. Die Anfahrt der nachrückenden Kräfte wurde teilweise an einem nahe gelegenen Teich vorbeigeführt, um eine weitere Wasserversorgung herzustellen. Auch die Nachbarn kümmerten sich um die Wasserversorgung: Sie brachten den Einsatzkräften manches erfrischende Glas und bewunderten die reibungslosen Arbeitsabläufe „...wie das alles so ohne viele Worte ineinandergreift.“

Zur Eigensicherung der Einsatzkräfte wurde darüber hinaus ein RTW angefordert. „Ihr habt wohl in Lüneburg keine Rettungswagen mehr“, scherzte der Sanitäter, „oder warum müssen wir aus Hitzacker herkommen?“ Auch die spätere Ablösung fuhr mit Dannenberger Kennzeichen. Um Brandnester hinter den Dach-Deckenverkleidungen zu lokalisieren wurde von der Molda die dort stationierte Wärmebildkamera nachgeordert. Nach etwa anderthalb Stunden konnte „Feuer unter Kontrolle“ gemeldet werden und noch vor seiner offiziellen Indienststellung hatte auch das neue Pommoisseler Fahrzeug seine Bewährungsprobe bestanden - gut, dass es schon da war.

Gegen 5.30 Uhr konnten viele Einsatzkräfte abgezogen werden - manche kehrten jedoch umgehend nach Nieperfitz zurück. Der nun auffrischende Wind fachte glimmende Reste bis in den Donnerstagmittag immer wieder an. Durch den Einsatz der Feuerwehr konnte ein Großteil des Gebäudes gehalten und ein Übergreifen der Flammen auf Nebengebäude verhindert werden. Als Brandursache vermutet die Polizei nach ersten Angaben einen technischen Defekt. Die Einsatzstelle wurde beschlagnahmt, die Ermittlungen dauern an. Der Sachschaden beziffert sich nach ersten Schätzungen auf ca. 150.000 Euro. Die Wohnungen sind zurzeit unbewohnbar. -EP-Redaktion/sn-

 

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