Trio Contraste entzündet Feuerwerk der Lebensfreude
Tosterglope. Der Kunstraum Tosterglope hatte letztes Wochenende zu einem ‚Kurzvorsommerfest’ mit dem rumänischen ‚Trio Contraste’ eingeladen, das regelmäßigen Besuchern des Kunstvereins bereits zweimal an dieser Stelle begegnet ist. Wenn auch die Temperaturen an diesem Abend nicht gerade sommerlich waren, so war die Musik des Trios umso heißer. Sorin Petrescu, Klavier, Schlagzeuger Doru Roman und der Flötist Ion Bogdan Stefanescu, die alle eine klassische Ausbildung genossen haben und als Solisten in namhaften rumänischen Orchestern spielen, kultivieren seit zehn Jahren im ‚Trio Contraste’ eben so leidenschaftlich die reiche Folklore ihrer Heimat.
An diesem Abend boten sie einem erfreulich großen Publikum in einem mehr als drei Stunden langen Programm eine fantastische Mischung aus traditioneller und zeitgenössischer Musik. Dabei schöpfen die Vollblutmusiker in genialer Weise spielerisch aus der großen Fülle und Vielfalt der rumänischen Volksmusik. Im ersten Teil des Abends präsentierten sie zunächst nachkomponierte traditionelle Folklore. „Das sind, ohne zu übertreiben, die besten Musiker Rumäniens“, sagte die Komponistin Violeta Dinescu, die als langjährige Freundin des Trios durch den Abend führte und den Zuhörern vieles über die Besonderheiten der Musik erzählen konnte, „Sie werden in dieser Musik die rumänische Seele erleben.“
Es erklangen stimmungsvolle Hirten-Lieder, bei denen man sich unmittelbar in die Karpaten versetzt fühlte, feurige Tänze aus Transsilvanien und Moldawien und typisch rumänische Weihnachtslieder, sogenannte ‚Colinde’, die mal melancholisch, ein anderes Mal sehr fröhlich und tänzerisch klingen. Sehr interessant war das moderne Stück von Corneliu Dan Gergescu, der alte transsilvanische Motive, die Béla Bártok akribisch gesammelt hat, völlig neu zusammensetzte, sodass sie ganz anders klingen, und doch vertraut bleiben. „Ein Kaleidoskop traditioneller Motive“, nennt es Violeta Dinescu. Eine andere Besonderheit stellt der ‚Calusul’ dar, auch ‚Pferdetanz’ genannt, ein schamanischer Tanz, der in rituellen Zeremonien zum Zwecke der Heilung verwendet wurde.
Das Trio entfesselte im Kunstraum die rasanten Rhythmen, die langsam ansteigen und sich bis zum Letzten steigern, bis es nicht mehr weitergeht. Die drei temperamentvollen Musiker erwiesen sich als wahre Multitalente und absolut virtuose Musiker. Wenn Ion Bogdan Stefanescu die etwas ‚hektische’ Piccolo- oder die wie Samt klingende Bassflöte spielt, so kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, ob solcher Klangfarben. Der immer hochkonzentrierte Pianist Sorin Petrescu wirkt auch bei den schnellsten Tempi wie der ruhende Pol des Trios. Und Doru Roman entfesselt auf dem schönen alten Xylophon und dem Vibraphon ein solches Klangfeuerwerk, das einen irgendwann nicht mehr auf den Stühlen hält, aber dazu kam es erst später. Nach einer langen Pause, in der die Besucher scharfe, im Feuertopf gegarte Gulaschsuppe aßen oder noch einen Blick in die aktuelle Ausstellung - „Minimal Areas # 1 von Bill Masuch (noch bis 20. Juni im Kunstraum) warfen, kamen die Tanzbegeisterten endlich zu ihrem Recht und konnten auch den reizvollen Kreistanz tanzen, bei dem man eine Frau mit einem Tuch einfängt, das Tuch auf dem Boden ausbreitet und sie umarmt und küsst (je nach Vertrautheit). Jetzt waren die Musiker fast nicht mehr zu bremsen und brachten den Kunstraum noch einmal zum Brodeln. Einfach Spitze, dieses Trio, hoffentlich kommt es bald wieder nach Tosterglope! -EP-Redaktion/swr-

