24.06.2010

Vielfalt und Bewegung

Bleckede. Die Bühne im Schlosspark war gut platziert: Die wenigen Regentropfen, die am Samstagabend das kühle Wetter noch etwas ungemütlicher machen wollten, hatten gegen die große Eiche vor der Bühne wenig Chancen, die Zuhörerschaft zu ärgern. Mit exquisitem Jazz begann und endete der Abend und die Nacht. Das Trio aus Bass, Gitarre und Schlagzeug der Bremer Musikhochschule war sichtlich zu Hause in einer ganzen Bandbreite von Jazz-Spielarten. Die Veranstalter hatten angehende professionelle Musiker und Laienmusiker geschickt zu einem bunten Strauß von Musik ganz unterschiedlicher Stilarten eingebunden. Die junge Band ‚Bassta’ von der Realschule Oedeme (zu Recht Preisträger beim Nachwuchswettbewerb der Schulen des Landkreises Lüneburg) und die vor Ort bekannten Darsteller des ‚Elbe-Musicals’ brachten jeweils ihre eigene Fangemeinde mit. Die Stühle vor der Schlossbühne wurden hier wenig gebraucht. Stehen mit einem Glas Wein in der Hand, sich frei bewegen und unterhalten zwischen Schlosshof, Burggraben und Park, durch Gras und unter illuminierten Bäumen: Das machte den Charme dieses Abends des Elbschlossfestivals aus. Das Ensemble ‚Douce Memoire’ mit ihren Flöten zeigte gleich dem Rattenfänger zu Hameln die Richtung an: Vom Schlosshof zur Parkbühne und zurück, versüßt mit barocken Klängen, bevor gegen Mitternacht die Feuershow den Park immer wieder in neuen Lichtkleidern erscheinen ließ.

Dass das so gar nicht sommerlich laue Wetter wenig Gäste vom heimischen Sofa lockte, wird wohl jedes Jahr von neuem ein unvermeidliches Risiko sein. –EP-Redaktion/lh-

 

 

 

Elbschloss-Festival ist kein Sparfestival

Bleckede. Es ist vorbei, das diesjährige Elbschloss-Festival. Die Veranstalter, die zum dritten Male mit den fünf norddeutschen Hochschulen ein vielfältiges, künstlerisch anspruchsvolles Programm auf die Beine gestellt hatten, müssen sich erneut fragen: Wo war unser Publikum? Sicherlich hat ihnen das Wetter wieder gemein mitgespielt, bei Regen, Wind und Temperaturen um 12 Grad am Abend überlegt man es sich zweimal, ob man eine Open-Air-Veranstaltung besucht oder nicht doch lieber einen beheizten Konzertraum ansteuert. Oder ist es bei dem Publikum, das doch dem „Musikalischen Frühling“ so lange treu war, noch immer nicht angekommen, dass bei dem Nachfolge-Festival nicht etwa mittelmäßige Künstler auftreten, die für wenig Geld zu haben sind, sondern dass hier die künstlerische Elite von morgen auf der Bleckeder Schlosshofbühne steht? Einige der Nachwuchskünstler, die in den ersten drei Jahren nach Bleckede kamen, sind auf der Karriereleiter schon längst mit sicherem Tritt auf dem Weg nach ganz oben. Und die Hochschulen Hamburg, Bremen, Lübeck, Hannover und Rostock schätzen das Festival als weitere Möglichkeit und Plattform für die Erprobung neuer Formen der Darstellung und Musikvermittlung und schicken daher gerne ihre besten und kreativsten Studenten. Beim weiteren Ausbleiben der Besucher ist es allerdings nur noch eine Frage der Zeit, wie lange die jungen Künstler noch motiviert sind, nach Bleckede zu reisen.

„Das dritte Festival war ohne Zweifel wieder künstlerisch hervorragend“, sagte auch der erste Vorsitzende des Kultur- und Heimatkreises Bleckede, Dr. Matthias Heckerodt, „aber die Resonanz ließ - sicher auch wegen des Wetters - zu wünschen übrig. Durchschnittlich hatten wir nur 70 bis 80 Besuchern pro Abend“, stellt Dr. Heckerodt ernüchtert fest, „da müssen wir uns ernsthaft die Frage stellen, ob das Konzept bei den Bürgern angekommen ist. Sehen sie das Ganze als billige Variante der früheren Musikwoche? Denn selbst der gefällige Liederabend „Klänge der Liebe“, der mit der früheren Serenade vergleichbar war, war schlecht besucht“. Zählen am Ende nur die großen Namen? Oder ist es generell das Überangebot an Veranstaltungen in der Region, das die Besucher von dem Bleckeder Festival fernhielt? Fragen wie diese werden sich die Veranstalter in den nächsten Monaten stellen müssen und die notwendigen Konsequenzen ziehen. „Sicherlich geht es weiter mit dem Festival“, sagt der Vereinsvorsitzende, „ aber wahrscheinlich werden wir uns zukünftig auf weniger Veranstaltungen beschränken“. Sabine Wölk-Rötzer

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue