04.02.2010

Barfuß im Schnee

Nachhaltige Hilfe für Haiti: Das Projekt soll fortgesetzt werden, zum Auftakt sammelten die Marienauer 700 Euro für ‚Ärzte ohne Grenzen’

Nachhaltige Hilfe für Haiti: Das Projekt soll fortgesetzt werden, zum Auftakt sammelten die Marienauer 700 Euro für ‚Ärzte ohne Grenzen’

Dahlem/Marienau. „Keine Zukunft vermag gut zu machen, was du in der Gegenwart versäumst.“ Diesen Satz von Albert Schweitzer machte die Schule Marienau zur Grundlage der Gestaltung des 8. Internationalen Projekttages der deutschen UNESCO-Projektschulen vom 19. - 22. Januar und konkretisierte auch mit ihren Aktionen das bundesweit ausgelobte Motto ‚Unser Handeln – Unsere Zukunft’.

Wertschätzung der Gemeinschaft weltweit und Anerkennung der Chancen aller Menschen auf ein erfülltes Leben – auch das sind notwendige Grundlagen, damit zukünftige Generationen nicht durch gegenwärtiges Handeln eingeschränkt leben müssen.

 

Tropfen auf den heißen Stein

‚Hilfe für Haiti’ – der aktuellen Situation nach dem verheerenden Erdbeben kann sich gerade eine UNESCO-Projektschule wie Marienau nicht verschließen. Lehrer und Schüler der Klassen 5 bis 13 bemühten sich um Informationen zur Lage und beschäftigten sich auch mit den weniger offensichtlichen Schäden des Bebens. Die Frage, wie man mit Spendengeldern sinnvoll hilft, sollte öfter einmal vor dem Sammeln bedacht werden. Die Vereinigung ‚Ärzte ohne Grenzen’ soll die Einnahmen aus dem Verkauf selbst gebackener Waffeln und Sandwichs sowie nach guatemaltekischem Brauch gebastelter Sorgenpüppchen erhalten, erstaunliche 700 Euro, die nur ein erster Schritt sein sollen. „Auch ein Tropfen auf den heißen Stein kann der verarmten Bevölkerung vielleicht beim Überleben helfen“, so die Projektgruppe, „wir als Marienauer haben internationale Solidarität konkret erlebt und werden auf dem Sommerfest im Juni weitermachen.“

 

Kein zweites Kopenhagen

Besser machen als die ‚Großen dieser Welt’ konnten es die Schüler beim ‚Mock Climate Summit’ (einer gespielten Klimakonferenz). Als Abgeordnete von Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erarbeiteten sie Antworten auf das Problem der Klimaerwärmung und verabschiedeten dazu eine Resolution - ein Modell, das Verständnis für die Probleme und Situationen anderer Völker und Kulturen entwickelt.

Mit ‚Ökotopia II’ wurde ein Masterplan für einen neuen Lebensraum für solitär lebende Tiere und Pflanzen, einheimische Obstbäume, Tümpel und eine Beobachtungsplattform auf dem Gelände der Schule vorgestellt. Und beim ‚Poetry-Slam’ kämpften die Teilnehmer um den besten poetisch-satirischen Text.

 

Ganz normale Träume ...

Große Autos, schicke Villen mit Pool, abenteuerliche Reisen und die große Liebe – die ganz normalen ‚Lebensträume’ eben malten sich die Marienauer im gleichnamigen Projekt für ihre Zukunft aus. Dass man für die Erfüllung von Träumen bereit sein muss, auch Widerstände zu überwinden und mutig zu sein, konnten die Schüler am eigenen Leib erfahren: ‚Lauf barfuß durch den Schnee’ lautete die Herausforderung. „Die Füße taten richtig weh, so kalt war es. Aber hinterher waren wir stolz, dass wir es geschafft hatten“, meinten die Teilnehmer.

Und als die Schüler ihre Großeltern zu deren Lebensträumen befragten, stellte Isabel aus der 10. Klasse fest: „So anders waren die eigentlich gar nicht, nur, dass der Krieg dazwischen kam. Aber später hat meine Großmutter dann doch den Mann ihres Lebens geheiratet und viele Reisen mit ihm gemacht. Man muss immer an seine Träume glauben und sie nie aus den Augen verlieren, hat sie mir mit auf den Weg gegeben.“ Auch der Traum von Eamons Großvater ging in Erfüllung. Er wollte Sänger werden und hatte später Auftritte in den Opernhäusern von Venezuela und Hamburg.

Das Gegenprogramm zu Ferrari und Segeljacht, großer Bühne und Weltreisen hatte Pastor Christian Gohde aus Dahlenburg zu bieten. Er lenkte den Blick auf Pablo Picasso, der im spanischen Bürgerkrieg Friedenstauben malte, den revolutionären Wanderprediger Jesus, Martin Luther King, der einst von der Gleichheit aller Menschen träumte und gewaltlos gegen den Rassismus kämpfte, und auf Albert Schweizer, dessen Lebenstraum es war, Kindern in Afrika zu helfen.

 

... und noch viele Pläne

Zahlreiche andere Projekte, wie der Besuch eines Altenheims, die Vorbereitung einer Israel-Fahrt, Proben für das Musical ‚Hair’, das im Juni Premiere feiern wird, ‚Hartz IV’, die Frage nach ‚Armut und Bedürftigkeit in der Wohlstandsgesellschaft’, die Renovierung der Freizeiträume, Demokratie in Marienau, ‚Virtuelles Wasser’ sowie ‚Marienau im 21. Jahrhundert’ gehörten außerdem zu den großen Themen in dieser arbeitsreichen, bunten Schulwoche und sie werden die Schüler weiter begleiten.

Schüler und Lehrer haben in diesen Tagen ein Netzwerk zur interkulturellen Bildung geschaffen, zu einer innovativen Schulentwicklung beigetragen und zukunftsfähiges Denken und Handeln geprobt, lautet das pädagogische Resümee. –pr/sn-

 

Elbmarsch-Post, die unabhängige regionale Zeitung
10.03.2010
Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue