Bau des dritten Gleises zieht Fahrplan-Veränderungen nach sich

Im Zugverkehr kommt es zwischen Lüneburg und Hamburg die nächsten fünf Monate zu erheblichen Behinderungen. Viele Metronomzüge wie hier in Radbruch werden durch Busse ersetzt.
Lüneburg. „Das Baugeschäft am dritten Gleis zwischen Stelle und Lüneburg hat sich bereits intensiviert und wird in den nächsten Monaten noch einmal erheblich anziehen“, so der zuständige Projektleiter von DB Netze Stephan Albrecht jüngst bei einer Veranstaltung in Radbruch. Bahnfahrgäste zwischen Lüneburg und Hamburg müssen sich ab kommenden Sonntag bis Ende September mit veränderten Abfahrtzeiten vertraut machen. Die Metronom Express-Züge von Hamburg über Lüneburg nach Uelzen verlassen die Elbmetropole zehn Minuten früher, da sie eingleisigen Abschnitte durchfahren, aber in der Salzstadt zu ihren gewohnten Abfahrtzeiten ankommen. Richtung Hamburg starten die Züge des Uelzener Eisenbahnunternehmens fünf Minuten früher ihre Fahrt. Zwischen Winsen und Lüneburg werden die meisten Züge, die in Radbruch und Bardowick halten, durch Busse ersetzt. Die Fahrtzeit verlängert sich dadurch bis zu einer Stunde. Auf dem Streckenabschnitt finden in dieser Zeit umfangreiche Arbeiten an Oberleitungen, Signalen und Gleisen statt. Die Intercity-Züge von Hannover nach Hamburg fallen bis auf zwei morgens und abends ganz aus. ICEs halten dafür stündlich in der Salzstadt. Passagiere brauchen für die Benutzung ein Zuschlag-Ticket. Der Fern- und Güterverkehr muss große Umwege über Wittenberge oder Rotenburg/Verden gen Süden nehmen. Ein kostspieliges Unterfangen für Bahn und Speditionen. Aber es würde auch anders gehen: Die Strecken der Osthannoverschen Eisenbahn (OHE), die von Winsen und Lüneburg nach Soltau und Celle abzweigen, könnten Abhilfe schaffen. Verschiedene Studien belegen einen verkehrspolitischen Quantensprung. Mehr Verkehr soll auf die Schiene, politischer Konsens seit Jahrzehnten. Doch wenn es konkret wird, stellt sich die Politik quer. Politiker von SPD und CDU propagieren stolz die Y-Trasse, eine neue Hochgeschwindigkeitstrasse, von Hamburg und Bremen nach Hannover, dort wird allerdings niemals ein Güterzug fahren können.
Einzig vernünftig die Aussage des Egestorfer Bürgermeisters Walter Kruse (CDU), durch dessen Gemeinde die OHE-Strecke führt: „Alle reden davon, den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, und dann müssen wir auch damit leben.“ Denn schon heute steht fest, dass das dritte Gleis von Stelle nach Lüneburg nur eine „geringfügige“ Entlastung schaffen wird.. –EZ-Redaktion/br-
