04.03.2010

Weniger aktive Brandschützer - mehr Einsätze

Von Präsident Hans Graulich (l.) mit der höchsten Feuerwehrauszeichnung, dem Deutschen Feuerwehrkreuz in Gold, geehrt: Hermann Kayser aus Bardowick

Von Präsident Hans Graulich (l.) mit der höchsten Feuerwehrauszeichnung, dem Deutschen Feuerwehrkreuz in Gold, geehrt: Hermann Kayser aus Bardowick

Dahlenburg. Die Zahl der aktiven Brandschützer im Landkreis Lüneburg ist erneut rückläufig und diese Entwicklung bereitet Kreisbrandmeister Torsten Hensel im Hinblick auf die Zukunft der Feuerwehren Sorgen. „Noch sind die aktiven Brandschützer im Landkreis Lüneburg und auch die Jugendfeuerwehren personell gut aufgestellt“, so Hensel. „Dennoch ist seit Jahren eine rückläufige Entwicklung sowohl bei den aktiven Kameraden als auch bei den Jugendfeuerwehren zu beobachten“, leitete Hensel seine Begrüßungsansprache vor etwa 400 Delegierten und Gästen am Sonnabend im Schützenhaus Dahlenburg ein. Er dankte der Samtgemeinde für die Bereitstellung des Schützenhauses und sprach die Hoffnung aus, auch künftig die größte Veranstaltungsstätte in der Region für die Durchführung des Kreisfeuerwehrtages nutzen zu können. Unter den zahlreichen Gästen aus Politik und Verwaltung begrüßte Torsten Hensel besonders Landrat Manfred Nahrstedt, den Präsidenten des Niedersächsischen Feuerwehrverbandes Hans Graulich, Bezirksbrandmeister Werner Meyer, die Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers und Karin Bertholdes-Sandrock, sowie die Bürgermeister der dem Kreis angehörigen Gemeinden und der Stadt Bleckede. Von der Stadt Lüneburg begrüßte der Kreisbrandmeister den Fachbereichsleiter Manfred Harder und vom Landkreis Lüneburg Hans-Heinrich Sühl sowie Hans-Otto Trost.

 

Feuerwehren erhalten - Absage an Zusammenlegungen

„Die Aufgaben und die Anforderungen an die Freiwilligen Feuerwehren sind in den letzten Jahren immer umfangreicher geworden und die Feuerwehren werden zu Einsätzen herangezogen, die nur bedingt etwas mit ihren ursprünglichen Aufgaben zu tun haben. Einsätze, wie das Einsammeln toter Tiere bei der Vogelgrippe, Deichsicherung bei Hochwasserlagen, Desinfektionsmaßnahmen bei Schweine- und Geflügelpest, bei Rinderwahn und bei Personensuche sowie, ganz aktuell, Schneelasten von Dächern zu entfernen, sind nur einige Beispiele, die ohne die Freiwilligen Feuerwehren nicht durchführbar wären“, sagte Kreisbrandmeister Torsten Hensel in Dahlenburg. „Daher ist es erforderlich, alle Freiwilligen Feuerwehren zu erhalten, und Bestrebungen, Feuerwehren aufzulösen oder zusammenzulegen, eine klare Absage zu erteilen“, appellierte er an die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung.

 

Aufgaben komplexer und vielseitiger

Die Feuerwehren im Landkreis Lüneburg mussten 2009 zu 1.371 Einsätzen ausrücken, 101 Einsätze mehr als im Jahr 2008. Die Zahl der Brandeinsätze ist um 70 Einsätze auf 430 gestiegen, während die Einsätze zu Hilfeleistungen um 31 auf 678 sanken. Insgesamt leisteten die Feuerwehren im Landkreis Lüneburg damit 32.500 Einsatzstunden. Kreisbrandmeister Torsten Hensel appellierte zum Schluss seines Jahresberichtes an die Delegierten und Gäste: „Lassen Sie uns alle - jeder an seinem Platz - weiter für die Ideale unseres freiwilligen Feuerwehrwesens arbeiten und dieses zukunftsfähig gestalten. Jederzeit für andere da sein und ihnen bei Not und Gefahr helfen, damit den politisch Verantwortlichen und der Allgemeinheit bewusst wird, dass auch in Zukunft gerade die freiwilligen Feuerwehren vor Ort die Sicherheit für den Bürger bedeuten, wie es auch unser Motto für das Jahr 2010 zum Ausdruck bringt: ‚Deine Zukunft – Feuerwehr’! - Freiwilliger Dienst in der Feuerwehr ist praktischer Sozialdienst für die Gesellschaft“, rief Kreisbrandmeister Torsten Hensel der Versammlung unter Beifall der Delegierten zum Schluss zu.

 

Ehrenamt anerkennen und fördern

Der Präsident des Niedersächsischen Feuerwehrverbandes Hans Graulich bedauerte den Trend in der Gesellschaft, sich auf andere zu verlassen, zu fordern und selbst nichts für die Allgemeinheit leisten zu wollen. „Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt und die Anerkennung des Ehrenamtes in der Gesellschaft und in der Politik schwindet, steht das ganze System der Freiwilligkeit und des Ehrenamtes, das bisher noch vorbildlich in Deutschland ist, auf der Kippe“, mahnte Hans Graulich. Er appellierte an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, die Feuerwehren in ihren Strukturen zu erhalten und sie mit dem erforderlichen Material auszustatten, damit sie die Aufgaben, die sie für die Kommunen und für die Bürger erledigen, erfüllen können.

Im Anschluss ehrte der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hans Graulich Hermann Kayser aus Bardowick, der sich als Zugführer der Kreisbereitschaft, als Wettkampfrichter und in seiner Ortsfeuerwehr über viele Jahrzehnte in vorbildlicher Weise engagiert hat, mit dem Deutschen Feuerwehrkreuz in Gold. Die im Landkreis Lüneburg aufstrebenden Kinderfeuerwehren können sich jetzt gemeinsam unter einem von Jaqueline Warnecke aus Melbeck entworfenen Logo, das ein löschendes Känguru mit einem Jungen im Beutel zeigt, wiederfinden.

 

Dienstwagen brannte - Feuerwehr half Landrat

In seinen Grußworten sagte Landrat Manfred Nahrstedt die Stärkung des Ehrenamtes durch den Landkreis Lüneburg mit der Einführung eines ‚Tages der Ehrenamtlichen‘ zu und er wies darauf hin, dass die EU das Jahr 2011 zum ‚Jahr der Freiwilligentätigkeit‘ ausrufen wird. Ganz am Rande sorgte Landrat Manfred Nahrstedt für Erheiterung im Dahlenburger Schützenhaus, als er der Feuerwehr Neetze für die rasche Hilfe dankte. Sein Dienstfahrzeug war aus ungeklärten Gründen am vergangenen Donnerstag in Neetze während der Bürgerfragestunde in Brand geraten. Die Freiwillige Feuerwehr Neetze konnte so einen ungewöhnlichen Brandeinsatz in ihren Jahresbericht übernehmen.

 

Ausgebildete Vierbeiner helfen suchen

Wie bei der Suche nach vermissten Personen schneller, effektiver und vor allem mit deutlich weniger Personalaufwand gesucht werden kann, machte Alexandra Mosbach von der DRK-Rettungshundestaffel Lüneburg deutlich. Mit sieben Rettungshunden, die vor allem für die Personensuche ausgebildet sind, stehen die neuen ehrenamtlichen Mitglieder der DRK-Rettungshundestaffel rund um die Uhr und ganzjährig für Such- und Rettungseinsätze zur Verfügung. Der kostenlose Einsatz der geprüften Rettungshunde wird über die Einsatzleitstelle in Lüneburg koordiniert. Die Hundeführer sind in 30 Minuten zuzüglich Anfahrt einsatzbereit. Nach der Vorstellung der Rettungshundestaffel beendete Kreisbrandmeister Torsten Hensel mit einem Dank und der Überreichung eines Blumenstraußes an Bezirksbrandmeister Werner Meyer, der nach langer Krankheit wieder dabei sein konnte, die Versammlung. -EP-Redaktion/jw-

Elbmarsch-Post, die unabhängige regionale Zeitung
28.07.2010
Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue